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Sterben und Tod im Tibetischen Buddhismus
Inhalt: 1. Meditation über Tod und Vergänglichkeit 2. Wie man den Toten und Sterbenden nützt Teil 1: Während der Krankheit Teil 2: Wenn ein Mensch stirbt Teil 3: Sich im Leben auf den Tod vorbereiten 3. Wie bereitet man sich am besten auf den eigenen Tod vor?
Gemäß der traditionellen Überlieferung der Lamrim-Belehrungen meditiert man im Tibetischen Buddhismus über Tod und Vergänglichkeit mittels der so genannten 3 Wurzeln, 9 Begründungen und 3 Entscheidungen. Dabei wird jeweils in der "Wurzel" eine These aufgestellt, anschließend wird diese "begründet", woraus dann für die oder den Meditierende/n schließlich eine "Entscheidung" folgt . Meditation über Tod und Vergänglichkeit: die 3 Wurzeln, 9 Begründungen und 3 Entscheidungen 1. Wurzel: Der Tod tritt mit Sicherheit ein 1. Begründung: Niemand hat bisher überlebt, bis heute sind alle Menschen gestorben 2. Begründung: Das Leben verkürzt sich mit jedem Moment, es verlängert sich nicht 3. Begründung: Obwohl wir jetzt leben und eine kostbare menschliche Geburt erlangt haben, finden wir nur wenig Zeit für die Praxis des Dharma 1. Entscheidung: da es sicher ist, dass man sterben muss, sollte man von diesem Moment an den Dharma praktizieren 2. Wurzel: der Augenblicks des Todes ist ungewiss 1. Begründung: Die Lebensdauer des Menschen ist unsicher. Niemand weiß, wann er stirbt, es sterben Kinder, Erwachsene und alte Menschen. 2. Begründung: Viele Kräfte, denen wir ausgesetzt sind, stehen dem Leben entgegen, nur wenige erhalten es; d.h. es gibt viele Umstände, die das Leben bedrohen können, aber nur wenige, die seiner Erhaltung förderlich sind. 3. Begründung: Unser Körper ist äußerst empfindlich, es bedarf bestimmter Ursachen und Bedingungen zu seiner Erhaltung, und wenn auch nur eine davon wegfällt, stirbt der Körper. 2. Entscheidung: da man nicht wissen kann, wann der Tod eintritt, sollte man von diesem Moment an den Dharma üben 3. Wurzel: Im Tod zählt nur die Kraft der spirituellen Verwirklichungen 1. Begründung: Weder Reichtum, Besitz, Ruhm oder gesellschaftlicher Rang werden im Tod noch von Bedeutung sein, alles dies wird aufgegeben werden müssen 2. Begründung: Man stirbt alleine, weder die Familie, Freunde noch Verwandte werden einem im Tod helfen können, weil man sie zurücklassen muss 3. Begründung: Sogar unser eigener Körper wird uns nicht mehr helfen können, denn auch ihn werden wir zurücklassen müssen. 3. Entscheidung: da man im Tod alle materiellen Dinge aufgeben muss, sollte man von diesem Moment an den Dharma rein und unbeeinflusst von materialistischen Überlegungen praktizieren
2. Wie man den Sterbenden und den Toten nützt Lama Zopa Rinpoche Der hier in mehreren Teilen wiedergegebene Text mit Ratschlägen für den Umgang mit Sterbenden und für die eigene Vorbereitung auf den Tod stammt von Lama Zopa Rinpoche, spiritueller Leiter des von Lama Yeshe gegründeten FPMT (Foundation for the Preservation of the Mahayana Tradition). Unter der Leitung des FPMT sind in den letzten Jahren mehrere Hospize gegründet worden, u.a. in Europa, den USA, Australien und Neuseeland; der nachfolgende Text wurde also - ursprünglich in Form einer mündlichen Belehrung - im Hinblick auf die Sterbebegleitung im Rahmen einer tibetisch- buddhistischen Einrichtung verfasst, was man beim Lesen vielleicht berücksichtigen sollte. Die kurzen Einführungen zu den einzelnen Abschnitten sowie die Zusammenfassungen sind eigene Kommentare. Während der Krankheit "Das Wichtigste ist, den Geist eines sterbenden Menschen zu pflegen. Es gibt viele, die den Körper pflegen können, wir aber sollten den Geist pflegen. Das Beste, was man tun kann, ist, einen Sterbenden dazu zu inspirieren, mit Freundlichkeit und Mitgefühl an andere zu denken und ihnen zu wünschen, dass sie glücklich und frei von Leiden sein mögen. Wenn ein Mensch mit dem Gedanken stirbt, dass er anderen von Nutzen sein möge, dann wird sein Geist auf natürliche Weise von Freude erfüllt und das macht seinen Tod sinnvoll. Man kann Sterbende in der Nehmen-und-Geben-Meditation unterweisen (tong-len; das Leiden anderer auf sich nehmen und ihnen das eigene Glück schenken), oder , je nach ihren geistigen Fähigkeiten, in der Mitgefühls-Meditation (metta). Menschen mit großem Mitgefühl, die einen "kühnen Geist" haben, können tong-len üben, d.h. das Leiden anderer auf sich zu nehmen und ihnen das eigene Glück zu geben. Kann ein Mensch tong-len praktizieren, dann ist das die beste Art des Sterbens, denn es bedeutet, mit Bodhicitta zu sterben. Seine Heiligkeit der Dalai Lama nennt das "Selbsthilfe im Tod" (self supporting death). Für diejenigen, die nicht denken, dass andere wichtiger sind als sie selber, ist es einfacher, anderen einfach Glück und Freiheit vom Leiden zu wünschen. Es ist sehr wichtig, den Geist der Menschen zu verstehen. Man kann sie dann die Dinge lehren, die ihren Fähigkeiten entsprechen: prüfe, wenn die Zeit gekommen ist, benutze Deine eigene Weisheit und beurteile selbst, welchen Wert eine Methode hat, wenn Du sie an andere weitergeben möchtest. Am besten wäre es, wenn Du dem sterbenden Menschen etwas vom Sterbeprozess vermitteln könntest, so, wie er im Tantra gelehrt wird; wie sich allmählich die Elemente auflösen, die Sinne, das Bewusstsein, bis hin zum subtilen Bewusstsein. Menschen, die aufgrund von Koma, Demenz oder dergl. nicht mehr verstehen können, haben kaum noch Möglichkeiten, das zu begreifen. Ihnen sollten wir zumindest im Hinblick auf eine gute Wiedergeburt helfen. Das sollte unser Ziel sein, nicht, dass diese Menschen zum Beispiel unbedingt an Karma glauben sollten, sondern dass sie mit einem positiven, freudigen Geist sterben, mit liebender Güte und mit Mitgefühl; das ist unser wertvolles Geschenk. Unser wesentliches Ziel, wenn wir dem physischen Körper helfen, besteht darin., dass wir damit dem Geist helfen können, dass wir den Geist transformieren können, sodass dieser Mensch zumindest ohne Ärger und ohne Begierde usw. sterben kann. Ihr solltet verschiedene Methoden erlernen, wie man dem Geist nützt, wie man ihn beruhigt, wie man jetzt und in der Zukunft helfen kann. Ihr solltet lernen, welche Methoden auf welcher (Bewusstseins-) Ebene angewendet werden sollten. Wenn man zum Beispiel den Buddha visualisiert, entweder im Geistkontinuum oder außerhalb von sich, oder wenn man die konventionelle Natur des Geistes beobachtet, seine Klarheit, dann können andere Gedanken wie Ärger oder Anhaftung nicht entstehen. Wenn man imstande ist, das zur Zeit des Todes zu praktizieren, sollte man je nach der geistigen Veranlagung eines Menschen besser von dem "vollkommen erleuchteten Wesen" sprechen anstatt es, wie im Sanskrit, Buddha zu nennen. Sprecht von Gott, wenn das hilfreicher ist; vom mitfühlenden Gott oder vom liebenden Gott, oder vom Allwissenden. Erklärt dem Menschen, dass sein Geist, sein Herz vollkommen rein ist; dass der Vollkommen Erleuchtete, Gott, mit jedem Mitgefühl hat, auch mit ihnen. Regt ihn dazu an, sich vorzustellen, dass sein liebendes Herz eins ist mit Gott: das Königreich Gottes liegt in ihnen. Das befreit die Menschen von Schuldgefühlen und Ärger und von ihren negativen Gedanken. Initiationen, Gelübde usw. schützen einen nicht vor den niedrigeren Daseinsbereichen; im Gegenteil schafft es nur weiteres negatives Karma, wenn man sie einmal erhalten oder genommen hat und dann erneut das Karma für eine niedrige Wiedergeburt ansammelt. Dagegen kann ein Mantra zum Beispiel helfen, eine höhere Wiedergeburt zu erlangen, wenn das negative Karma erschöpft ist. Selbst bei solchen Menschen, die keine Mantras hören möchten, hinterlässt es einen positiven Eindruck in ihrem Geist, sodass sie früher oder später den Pfad treffen und die Möglichkeit haben werden, die Lehren zu praktizieren, die Hindernisse zu beseitigen und Erleuchtung zu erlangen. Sogar wenn solche Menschen beim Hören der Mantras ärgerlich werden und mit diesem ärgerlichen Geist sterben, ist das noch immer besser, als wenn sie gar keine Mantras hören würden und friedlich sterben. Auf diese Weise führt sein Karma einen Menschen Schritt für Schritt auf den Mahayana-Pfad und zur Erleuchtung. Arhats bleiben stecken, wohingegen der Mahayanist erleuchtet wird, selbst dann, wenn der Arhat zu Beginn von einer höheren Wiedergeburt ausgegangen ist." Kurze Zusammenfassung des 1. Abschnitts:
- Grundsätzlich sollte man darauf hinwirken, dass der Geist eines Kranken positiv und friedlich gestimmt bleibt - die angewendete Praxis sollte sich nach den geistigen Fähigkeiten eines Kranken richten: - man kann entweder gemeinsam mit dem Kranken "tong-len" üben oder "metta" (Mitgefühlsmeditation) - der Kranke kann Buddha visualisieren (oder Gott oder den Allwissenden) und sich vorstellen, sein Herz mit seiner liebenden Güte zu vereinen - Freunde und Angehörige können Mantras singen
Teil II - Wenn ein Mensch stirbt Manche der im folgenden Abschnitt erwähnten Praktiken sind zum Teil recht speziell und können/sollten nur nach entsprechender Vorbereitung praktiziert werden (z.B. Phowa). Nachdem aber in letzter Zeit häufiger die Frage nach spezifisch buddhistischen Möglichkeiten der Sterbebegleitung gestellt wird, soll dieser Abschnitt doch zumindest einen Eindruck der verschiedenen Möglichkeiten vermitteln.
Wenn ein Mensch stirbt "Wenn Ihr Euch mit dem Sterbeprozess beschäftigt habt, dann werdet Ihr allmählich erkennen können, welche Stufen das Bewusstsein eines Menschen im Tod durchläuft, welche Elemente absorbiert werden usw., und den Moment, in dem der Mensch tatsächlich stirbt. Es ist besser, wenn die Familie nicht weint, denn durch Weinen wird im Geist des Sterbenden Anhaftung erzeugt. Es gibt bestimmte Klänge, die dem Bewusstsein zur Zeit des Todes helfen können, Klänge, die nützlich sind, Mantras usw. Außer solchen Klängen sollte Stille herrschen, andere Geräusche sollten vermieden werden. Und man Ihr solltet die Familie darin unterweisen, wie man eine solche Atmosphäre erzeugen kann.
Wenn ein Mensch unter großen Schmerzen leidet, dann ist es in Ordnung, wenn man ihm Medikamente gibt, damit er weiterhin klar denken kann. Aber Medikamente, die das geistige Leiden beeinflussen, sollte man nicht geben. Beruhigungsmittel, die vor dem Tod verabreicht werden, verhindern, dass negatives Karma abgebaut wird. Schmerzen werden fruchtbar, wenn der Mensch sie durchleben kann. Diesen Unterschied zu erklären, ist sehr schwer, denn in vielen Fällen wünscht die Familie, dass der Patient Medikamente erhält, aber das geschieht oft mehr zu ihrer eigenen Beruhigung als zum Nutzen des Patienten. Wenn der Tod eintritt, sollte man die Sangha bitten, Mantras zu rezitieren, und zwar in einer den Geist erhebenden Weise, so, wie es die Chinesen machen. Wenn man auf diese Weise singt, dann entsteht in den Menschen das Gefühl, nichts auf der Welt sei wichtiger als Buddha Amitabha. Sie fühlen sich beschützt und geborgen, geleitet. Außerordentlich kraftvoll ist auch das Rezitieren der Namen der 35 Buddhas, sie können von mehreren Leuten gemeinsam gesungen werden. Oder die Mantras der fünf besonders mächtigen Gottheiten, die man üblicherweise im Jangwa zur Hilfe für die Sterbenden und Toten, zur Reinigung der Lebenden und zur Befreiung der Wesen in den niederen Daseinsbereichen benutzt. Andere kraftvolle Mantras enthält die Übung "Giving Breath to the Wretched" ("den Erbarmungswürdigen den Atem spenden"), ein Text, der oft als Hilfe hinzugezogen wird. Man kann einem Sterbenden einen Stupa auf die Brust stellen oder in die Hand geben. Jedes Mal, wenn der Stupa ihn oder sie berührt, reinigt er negatives Karma. Selbst wenn das Bewusstsein den Körper bereits verlassen hat, kann es noch immer von Nutzen sein, den Körper mit dem Stupa zu berühren. Diese Methode eignet sich auch gut für Babies oder für Menschen, die nichts mehr verstehen können. Sogar einem Nicht-Buddhisten kann man erklären, dass der Stupa zur Beruhigung oder zur Heilung oder Reinigung dient. Der Sterbende kann sich dabei vorstellen, dass aus dem Stupa Lichtstrahlen austreten. Nützlich ist auch, einige Stupas zur Heilung oder zur Vertreibung schädigender Spirits zur Hand zu haben. Oder man kann dem Sterbenden ein Stück Papier auf den Körper legen, auf welchem die Zehn Großen Mantras geschrieben stehen, wobei man gleichzeitig das Widmungsgebet spricht. Nachdem der Atem aufgehört hat Das allererste, was Ihr tun könnt, nachdem der Atem aufgehört hat, ist die Praxis der "Medizin-Buddhas" (die man übrigens auch für Tiere durchführen kann), wobei man, in einer Gruppe oder für sich alleine, die Namen der Buddhas und das Mantra rezitiert: der Medizin-Buddha hat das Versprechen abgelegt, dass sich für jeden, der seinen Namen und sein Mantra rezitiert, alle Gebete und Wünsche erfüllen werden. Die Kraft dieses Gebets wurde vom Medizin-Buddha erlangt, es ist also sehr kraftvoll zur Erfüllung von Gebeten. Das Gebet ist eine der Zehn Kräfte, man sollte deswegen so beten, als sei man ein Mittler zum Medizin-Buddha, stellvertretend für denjenigen, der gestorben ist. Anschließend kann man Amitabha-Phowa praktizieren (die Übertragung des Bewusstseins in ein Reines Land), und danach andere Übungen durchführen. Man kann Sang Chö rezitieren, "The Prayer of Good Deeds" (allgemein bekannt unter dem Namen "The King of Prayers"). Auf Beerdigungen eignet es sich besonders gut dazu, gemeinsam gelesen zu werden. Man kann das Namgyelma (Ushnisha Vijaya) Mantra 21 x aufsagen, dann bläst man auf Wasser, Sesamsamen, Parfüm oder Körperpuder, segnet diese mit dem Mantra und sprengt sie dann über den toten Körper. Das Namgyelma-Mantra ist sehr kraftvoll zur Reinigung; am besten ist es, die lange Version des Mantra zu rezitieren, man kann aber auch das kurze Mantra aufsagen. Schreibt man es auf ein Stück Stoff oder Papier und trägt es dann auf den Gipfel eines Berges oder an eine hochgelegene Stelle (z.B. ein Dach), wo der Wind es erreichen kann, dann wird jeder, der von diesem Wind berührt wird, die Segnungen erhalten und sein Karma wird gereinigt werden. Das Umschreiten eines Stupa, in dem die Mantras enthalten sind, reinigt alles Karma, durch welches man in den heißen Höllen wiedergeboren wird. Nachdem der Atem aufgehört hat, berührt man in Tibet den Körper solange nicht, bis ein Lama aus dem Dorf Phowa praktiziert hat; das ist wichtig. Sucht nach Zeichen, die darauf hinweisen, dass das Bewusstsein den Körper verlassen hat (zum Beispiel nach dem Phowa): der weiße Tropfen, wie Eiter oder Wasser, der aus den Nasenlöchern austritt, oder, im Fall einer Frau, Blut und Wasser, das aus den unteren Bereichen austritt. Dabei sollte man das Kopfhaar auf dem Scheitelpunkt des Kopfes nach hinten legen, damit das Bewusstsein dort austritt. [Ein weiteres Zeichen ist außerdem], dass am Hinterkopf Haare ausfallen." Kurze Zusammenfassung des 2. Abschnitts: Wenn ein Mensch stirbt: - um zu vermeiden, dass im Geist des Sterbenden Anhaftung und Festhalten entsteht, sollten Freunde oder Angehörige möglichst nicht weinen - Medikamente gegen körperliche Schmerzen sind in Ordnung, Beruhigungsmittel gegen geistiges Leiden sollten aber nicht gegeben werden - insgesamt sollte in der Umgebung des Sterbenden Stille herrschen, sehr hilfreich ist allerdings das Singen bestimmter Mantren. - zur Beruhigung des Geistes und zur Reinigung von Karma kann man einem Sterbenden einen Stupa auf die Brust stellen oder in die Hand geben, wobei dieser sich vorstellt, dass von dem Stupa Lichtstrahlen ausgehen. - man kann auch ein Stück Papier auf den Körper legen, auf welchem die Zehn Großen Mantren geschrieben stehen, wobei man gleichzeitig das Widmungsgebet rezitiert. Wenn der Atem aufgehört hat Praktiken, die nach dem Stillstand des Atems durchgeführt werden, können sein: - die Praxis der Medizin-Buddhas - Amitabha-Phowa-Gebet - Rezitation des Sang Chö - Rezitation des Namgyelma-Mantras - Rezitation der Zehn Großen Mantras - und man sollte auf die Zeichen achten, die darauf hinweisen, dass das Bewusstsein den Körper verlassen hat
Teil III - Sich während des Lebens auf den Tod vorbereiten Im dritten und letzten Abschnitt geht es einerseits darum, wie man sich selber auf den Tod vorbereiten kann, zum anderen werden darin Empfehlungen gegeben, wie man die Umgebung von Sterbenden gestalten sollte. Obwohl sich diese letzten Empfehlungen speziell an das "Tara Home" richten und deswegen nicht in jedem Punkt allgemeingültig sind, können sie doch Anhaltspunkte dafür geben, in welcher Umgebung Sterbende sich wohlfühlen und wie ein buddhistisches Hospiz im Westen aussehen kann. Sich während des Lebens auf den Tod vorbereiten Seine Heiligkeit der Dalai Lama meint, dass es zum Zeitpunkt des Todes schwer ist, wirklich so zu meditieren, wie man es zu Lebzeiten getan hat. Und wenn man schon zu Lebzeiten Schwierigkeiten mit der Meditation hatte, dann wird man auch im Tod nicht meditieren können, weil es einem nicht gelingen wird, die Konzentration aufrecht zu erhalten. Die wesentliche Essenz besteht darin, dass man im täglichen Leben im Umgang mit fühlenden Wesen Verdienst angesammelt und Karma gereinigt hat; dass man anderen mit einem aufrichtigen Herzen, mit liebender Güte und mit Mitgefühl gedient hat, dass man die schwere Arbeit auf sich genommen hat, anderen von Nutzen zu sein. Und dass man den Drei Juwelen Opfergaben dargebracht hat. Wenn man im Leben das "gute Herz" praktiziert, das heißt, Bodhicitta, dann reinigt das sehr viel negatives Karma, sogar sehr schweres negatives Karma, und es verhindert, dass man weiteres negatives Karma ansammelt. Es ist dieses negative Karma, das dazu führt, dass der Geist Angst vor dem Tod erlebt. Durch Bodhicitta werden vor allem das unerträgliche Leiden beendet, die leidhaften Wiedergeburten, die sich später aus negativen Handlungen entwickeln. Und man sollte ein ethisches Leben führen, in Übereinstimmung mit den Gelübden, man sollte die Gelübde von einem spirituellen Meister erhalten oder sie vor einem heiligen Objekt ablegen. Sehr wichtig ist, dass man die Fünf Kräfte in sein Leben integriert und lernt, wie man sie zur Zeit des Todes praktiziert. Das sind sehr spezielle Übungen zur schnellen Erlangung von Erleuchtung. Sie beinhalten auch Phowa, die Übertragung des Bewusstseins in ein Reines Land zum Zeitpunkt des Todes. Im Reinen Land erhält man Belehrungen über das Vajrayana, die einen dazu befähigen, innerhalb eines Lebens Erleuchtung zu erlangen. Wie effektiv Phowa ist, ist abhängig davon, wie gut man die Fünf Kräfte im Tod praktiziert. Und es hängt davon ab, wie gut man die allgemeinen Übungen im Leben praktiziert. Der Lamrim erklärt die vier verschiedenen Weisen, auf welche man kraftvolles Karma ansammelt. Man sollte das im täglichen Leben anwenden, während man all diese normalen Tätigkeiten wie Essen, Schlafen, Gehen usw. verrichtet, anstatt dass man Handlungen mit weltlichem Begehren und samsarischer Anhaftung durchführt.
Wie man eine angenehme Umgebung für Sterbende schafft Ratschläge für das Tara Home, ein Hospiz, das im "Land of Medicine Buddha", Soquel, Kalifornien, gegründet werden soll. Man sollte den Ort so schön wie möglich gestalten: eine ruhige, friedlich-harmonische und heilige Umgebung ist sehr wichtig. Man sollte einen schönen Ausblick haben, mit schönen Kunstgegenständen, Blumen und Tara-Bildern. Blumen vermitteln ein sehr spirituelles Gefühl. Wichtig ist, im Geist positive Eindrücke zu erzeugen. In einer solchen Umgebung hat ein Mensch keine Angst vor dem Sterben, sein Geist wird in eine gehobene Stimmung versetzt. Wenn Familienangehörige kommen, dann spüren sie, dass dies ein angenehmer Ort ist, ein Ort, der ihnen das Gefühl gibt, dass man keine Angst zu haben braucht vor dem Sterben, und dann werden sie gerne kommen. Dank der Weisheit und dem Mitgefühl von Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama fühlen sich heutzutage immer mehr Menschen vom Buddhismus angezogen. Wir müssen den Menschen helfen, eine offene Haltung gegenüber den verschiedenen Methoden zu entwickeln. Ihr könnt den Menschen sagen, dass das "Tara Home" buddhistisch ist, und wenn sie sich damit wohlfühlen, dann können sie kommen. Die religiöse Tradition der Bewohner hängt von ihrer jeweiligen vorherigen Übung im Alltag ab. Welche Ratschläge man jemandem gibt, ist abhängig davon, was man selber bisher praktiziert hat - Lamrim, Gedankenumwandlung - wie man selber praktiziert hat, im täglichen Leben, nicht nur auf dem Meditationskissen. Im allgemeinen hat das Mahayana einem Sterbenden, oder jemandem, der Probleme hat, sehr viel zu geben. Und das System des Höchsten Yoga Tantra ist das einzige System, das eine wirkliche Erklärung für den Tod bietet. Die präzisen Anweisungen gibt es nur im Höchsten Tantra, in keiner anderen Tradition. In anderen Traditionen findet man nur allgemeine Anweisungen, keine Erklärungen in Begriffen des subtilen Bewusstseins, der Winde, Chakren usw. . Die ordinierte Sangha kann für jeweils mehrere Monate im Tara Home wohnen, um die verschiedenen Stufen der Übungen zu bestimmen, die die einzelnen Patienten durchführen können, und auch, um sich um die Instandhaltung des Anwesens zu kümmern. Neue Mitarbeiter/innen, die mit der Betreuung noch nicht vertraut sind, sollten von den Älteren angelernt, die diese Arbeit schon länger machen. Diejenigen, die schon mehr Erfahrung haben, wie das menschliche Bewusstsein funktioniert, sollten Bücher lesen, die von unterschiedlichen Autoren geschrieben wurden, sie sollten sich mit unterschiedlichen Belehrungen aus verschiedenen Quellen auseinandersetzen und aus eigener Erfahrung lernen, in welchen Bewusstseinszuständen Menschen sterben. Ein- oder zweimal im Monat könnt Ihr Euch treffen; jeder sollte lesen, was zusammengetragen wurde, und diejenigen, die über entsprechendes Geschick und Weisheit verfügen, sollten es dann überarbeiten und ein Buch daraus machen. Damit könnt Ihr Euch aber Zeit lassen. Später kann dann dieses Buch für diese und für andere Organisationen ein Leitfaden werden. Außerdem solltet Ihr Phowa üben. Ihr solltet jedes Jahr Phowa-Belehrungen hören und ein Phowa-Retreat machen, um zu lernen, wie man es praktiziert. Es ist sehr wichtig, jedes Jahr ein Phowa-Retreat zu machen. Wenn man dann allmählich Fortschritte macht im Phowa und die Zeichen dafür sichtbar werden, dann kann dies der beste Dienst an der Gesellschaft sein - andere zu befreien und ihnen zur Zeit des Todes zu helfen. Man kann auch andere Lamas bitten, das Phowa durchzuführen, das ist in Ordnung; man kann jeden tibetischen Lama bitten, der ein guter Praktizierender ist. Ladet hohe Lamas ein, damit sie Phowa praktizieren und die Jangwa-Reinigung durchführen. Wenn es schwierig ist, den Lama in das Hospiz einzuladen, dann kann er Phowa auch aus der Ferne durchführen, dort, wo er sich gerade aufhält. Man muss ihm aber sagen, in welche Himmelsrichtung der Kopf zeigt. Allgemein wäre es gut, wenn man einmal in der Woche eine Medizin-Buddha-Puja macht, das ist sehr förderlich für den spirituellen Fortschritt, sowohl im Leben wie im Sterben. Man kann auch einmal im Monat das Medizin-Buddha-Sutra lesen. Dieser spezielle Text mit den Namen von 100.000 Buddhas von Pabongka Rinpoche kann im Tod rezitiert werden. Ribur Rinpoche hat den Text kürzlich aus Lhasa erhalten; er ist im Tushita Meditationszentrum in Delhi und die tibetischen Mönche können ihn lesen. Es ist ein sehr seltener Text." Kurze Zusammenfassung des 3. Abschnitts: Sich während des Lebens auf den Tod vorbereiten - im täglichen Leben anderen mit einem aufrichtigen Herzen, liebender Güte und Mitgefühl dienen und versuchen, ihnen von Nutzen zu sein. - den Drei Juwelen Opfergaben darbringen - die Fünf Kräfte in den Alltag integrieren Wie man eine angenehme Umgebung für Sterbende schafft: - Schaffung einer ruhigen, friedlich-harmonischen und heiligen Umgebung - mit einem schönen Ausblick, Kunstgegenständen, Blumen, religiösen Bildern usw. - wichtig ist, eine Atmosphäre zu schaffen, die den Sterbenden und ihren Angehörigen die Angst vor dem Tod nimmt - die jeweilige religiöse Praxis ist individuell abhängig von der bisherigen Übung Quelle: "Mandala" Sept.-Okt. 97 übersetzt von I.B.
"Wie bereitet man sich am besten auf den eigenen Tod vor?" Antworten verschiedener großer Meister
Dilgo Khyentse Rinpoche: "Die beste Art, sich auf den eigenen Tod vorzubereiten, besteht darin, das ganze Leben über den Dharma zu praktizieren."
Kirti Tsenshab Rinpoche: "Diesbezüglich muss man wieder zwei Arten von Menschen unterscheiden: der eine hat sich während seines vorangehenden Lebens die Zeit genommen, sich mit religiösen Übungen vertraut zu machen, während der andere nichts dergleichen getan hat. Wenn jemand, der bereits vertraut ist mit der Praxis der Meditation, merkt, dass sein Tod naht, ist das für ihn ein Zeichen dafür, dass er nun den Geist ganz auf die religiöse Übung konzentrieren muss. Diejenigen dagegen, die sich in ihrem Leben nicht viel um religiöse Angelegenheiten gekümmert haben, sollten versuchen, sich an das Herz der Religion zu halten. Und was ist das Herz der Religion? Freundlich sein, Gutes über andere Menschen denken, hoffen, dass andere in ihrem Leben Glück erfahren. Das sind die wesentlichen Dinge jeder religiösen Übung, und wenn jemand, der nie zuvor über solche Dinge nachgedacht hat, das irgendwie praktizieren kann, so ist das das Beste, was er zur Vorbereitung auf den Tod tun kann. Denjenigen Menschen, die bereits früher einige Kenntnis über Religion erworben haben, wird es gut tun, wenn sie Geschichten über die wunderbaren Eigenschaften der Buddhas hören, wie sie anderen geholfen haben usw., das wird ihren Geist mit Freude erfüllen. Den anderen wird es ein gutes Gefühl vermitteln, wenn man ihnen erzählt, wie bestimmte Menschen anderen geholfen haben, wie jemand für einen anderen etwas Gutes getan hat usw., daran wird sich ihr Geist erfreuen. Das sind also zwei Möglichkeiten, sich auf den Tod vorzubereiten. In einer Analogie könnte man es mit jemandem vergleichen, der eine Reise mit dem Flugzeug plant. Wie jeder weiß, kann man mit einem Flugzeug in große Schwierigkeiten geraten, weil es abstürzen kann - man braucht also einen Fallschirm. Ist aber das Flugzeug abgestürzt und ist man dann mit dem Fallschirm auf der Erde gelandet, muss man sich vorher überlegt haben, wovon man sich dann ernähren wird, man muss also etwas zu essen vorbereiten und mitnehmen. Und wenn man dabei auch noch für seine mitfliegenden Freunde sorgt, umso besser, dann wird es auch ihnen gut gehen. Das wichtigste aber, was ein Mensch braucht, um diese ganzen Vorbereitungen zu treffen, ist etwas Geld. Ohne Geld kann man überhaupt nichts tun. Wenn jemand in einem Zug sitzt und feststellt, dass ihm etwas fehlt, dann kann er es sich auf dem nächsten Bahnsteig besorgen; wenn man aber in einem Flugzeug sitzt, hoch oben in der Luft, und hat dann nichts mitgenommen, dann kann man nicht einfach aussteigen und es kaufen. Der Unterschied ist der, dass man in einem Flugzeug schon vorher für alles gesorgt haben muss, bevor man losfliegt, denn wenn man erst einmal in der Luft ist, kann man nicht mehr viel tun. Was ich damit sagen will, ist in anderen Worten: das Sterben ist eine Situation, auf die sich ein Mensch vorher vorbereiten muss, denn wenn man sich schon mitten drin befindet, lässt sich nicht mehr viel ändern."
Garje Khamtul Rinpoche: "So wie man zum Zahnarzt gehen muss, ist Sterben etwas, das sich nicht vermeiden lässt, es wird unausweichlich passieren; also ist es das Beste für uns, wenn wir von Anfang an wissen, wie es sich anfühlt, tot zu sein. Um das erfahren zu können, müssen wir uns an einen Lama wenden, der über diese Dinge Bescheid weiß, der wirkliche Kenntnis über den Tod besitzt. Wir müssen zu ihm gehen und er kann uns dann erzählen, wie es sich anfühlt, wenn ein Mensch tot ist und welche verschiedenen Stadien ein Mensch durchläuft, wenn er stirbt. Wenn Ihr dieses Wissen in Euch tragt, dann habt Ihr keine wirkliche Angst mehr vor dem Tod, und das ist sehr hilfreich."
Geshe Lamrimpa: "Wenn ein Mensch sich nur darauf vorbereiten will, eine gute Wiedergeburt zu erlangen, dann muss er die zehn unheilsamen Handlungen aufgeben und die zehn unheilsamen Handlungen, die er in der Vergangenheit bereits verübt hat, reinigen, indem er sie bereut und sich fest vornimmt, sie zukünftig zu unterlassen. Das ist die allgemeine Erklärung für alle fühlenden Wesen. Was eine ordinierte Person oder einen Bodhisattva oder einen Tantra- Praktizierenden anbetrifft, so müssen sie alle Gelübde reinigen, die gebrochen worden sind. Im Besonderen ist es so, dass ein Mensch, wenn er im nächsten Leben zu Reichtum gelangen möchte, Großzügigkeit praktizieren muss; wenn man Glück erlangen möchte, muss man ein ethisches Leben führen; wenn man viele Anhänger und großes Ansehen gewinnen möchte, muss man Geduld praktizieren ("durch Geduld gewinnt man Achtung"). Und durch die Übung der Sechs Vollkommenheiten eines Bodhisattvas werden die vier Früchte, oder Ergebnisse, bewirkt werden. Allgemein gesagt, wenn wir alle unsere Negativitäten reinigen und unseren gesamten Verdienst widmen, dann entwickelt sich das zu einer großen Kraft. Wenn unsere Zeit kommt, dass wir sterben müssen, wird dieser gewidmete Verdienst die heilsamen Handlungen aktivieren und man wird eine gute Wiedergeburt erlangen. Wenn man sich auf diese Weise auf das Sterben vorbereitet, dann ist das sehr hilfreich." Frage: Im Buddhismus gibt es verschiedene Meditationen über den Tod, zum Beispiel, dass man über den Tod nachdenkt und versucht, den Sterbeprozess tatsächlich zu durchleben. Sind solche Meditationen empfehlenswert?
Garje Khamtul Rinpoche: "Der tibetisch-buddhistischen Philosophie zufolge ist diese Praxis, in der man den Tod "durchlebt" und sich mit den verschiedenen Stadien vertraut macht, die ein Mensch während des Sterbens durchläuft, sehr nützlich. Dabei muss man sich der verschiedenen Zeichen bewusst werden, die im Sterbeprozess auftauchen, wie etwa die Auflösung der fünf Sinne (Hören, Sehen usw.), die stufenweise Auflösung der fünf inneren Elemente (Fleisch, Knochen usw.) und der fünf äußeren Elemente (Feuer, Erde, Wasser usw.). Wir müssen außerdem realisieren, dass, wenn wir Wiedergeburt annehmen, dies aufgrund der Vereinigung des Bewusstseins mit Same und Ei der Eltern geschieht. Diese selbe Vereinigung findet auch zur Zeit des Todes statt. Auch das ist etwas, was man wissen muss. Der buddhistischen Philosophie zufolge ist diese Praxis des "Durchlebens" des Sterbeprozesses also sehr wichtig." |
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