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Om mani padme
hum
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Om mani padme hum (Tibetische
Aussprache: om mani peme hung)
ist ein Mantra in Sanskrit, das dem
buddhistischen Bodhisattva des Mitgefühls Avalokiteshvara zugeordnet wird. Es
soll schon im 5. Jahrhundert durch das Karandavyuha-Sutra nach Tibet gelangt
sein, als dort der König Lha Thothori Nyantsen herrschte. Es ist das älteste und
bis heute populärste Mantra des tibetischen Buddhismus. Mantren sind Silben-
bzw. Lautformeln, die während der Rezitation eine psychisch-energetische Wirkung
auf den Praktizierenden ausüben sollen.
Mantrarezitation ist im tibetischen
Buddhismus ein Mittel zur geistigen Entwicklung.
Für den tibetischen Buddhismus sind die sechs Silben om mani peme hung
Ausdruck der grundlegenden Haltung des Mitgefühls.
In ihrem Rezitieren formuliert sich der Wunsch nach Befreiung aller Lebewesen
aus dem Kreislauf der Wiedergeburten.
Aus diesem Grund werden die sechs Silben in der tibetischen Tradition auf die
sechs angestrebten Vollkommenheiten und auch auf die sechs Daseinsbereiche des
Lebensrades bezogen.
Buddhistisches
Bekenntnis
Ich bekenne mich zum Buddha als meinem unübertroffenen Lehrer, denn er hat die
Vollkommenheiten verwirklicht und ist aus eigener Kraft den Weg zur Befreiung
und Erleuchtung gegangen. Aus dieser Erfahrung hat er die Lehre dargelegt, damit
auch
wir die endgültige Leidfreiheit erlangen können.
Ich bekenne mich zur Lehre des Buddha, denn sie ist klar, zeitlos und lädt jeden
ein,
sie zu prüfen, sie im Leben anzuwenden und zu verwirklichen. Ich bekenne
mich zur Gemeinschaft der Jünger des Buddha, die sich ernsthaft um die
Verwirklichung seiner Lehre bemühen, um die verschiedenen Stufen der inneren
Erfahrung und des Erwachens zu verwirklichen. Sie dienen mir als Vorbild.
Ich habe festes Vertrauen zu den Vier Edlen Wahrheiten. Sie besagen:
· Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Dies ist zu durchschauen.
· Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung. Sie sind zu überwinden.
· Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Dies ist zu verwirklichen.
· Zum Erlöschen des Leidens führt ein Weg, der Edle Achtfache Pfad. Er ist zu
gehen.
Ich bekenne mich zur Einheit aller Buddhisten,
denn wir folgen unserem
gemeinsamen Lehrer und sind bestrebt,
seine Lehre zu verwirklichen:
Ethisches Verhalten, Sammlung und Weisheit wollen wir entwickeln,
um Befreiung
zu erlangen.
In diesem Bewusstsein begegne ich allen Mitgliedern dieser
Gemeinschaft
mit Achtung und Offenheit.
Ich will mich bemühen, keine Lebewesen zu töten oder zu verletzen,
Nichtgegebenes nicht zu nehmen,
keine unheilsamen sexuellen Beziehungen zu
pflegen,
nicht zu lügen oder unheilsam zu reden,
mir nicht durch berauschende
Mittel das Bewusstsein zu trüben.
Zu allen Lebewesen will ich unbegrenzte Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und
Gleichmut entfalten, im Wissen um das Streben aller Lebewesen nach Glück."
Das Herzsutra
maha prajna paramita hrdaya sutra
Bodhisattva Avalokitashvara ['Herr der liebenden Güte']
erkennt in der Übung der Prajna Paramita [Raumweisheit]
dass alle fünf Skandhas [Sinneseindrücke] leer sind
und überwindet so alles Leiden.
Shariputra
Form ist nicht verschieden von Leerheit
Leerheit ist nicht verschieden von Form
Form ist Leerheit, Leerheit ist Form
das Gleiche gilt für Empfindung
Wahrnehmung, Wollen und
unterscheidendes Denken.
Shariputra
Alle Dharmas sind ausgezeichnet durch Leerheit
sie entstehen nicht und vergehen nicht
sind weder rein noch unrein
nehmen weder zu noch ab.
Daher gibt es in der Leerheit
keine Form, keine Empfindung, keine Wahrnehmung,
kein Wollen, kein unterscheidendes Denken
weder Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper noch Denken
keine Farben, Geräusche, Gerüche,
keinen Geschmack, keine Berührung,
und kein Objekt des Denkens,
weder einen Bereich des Sehens und so fort,
noch einen Bereich des Denkens,
weder Unwissenheit,
noch ein Ende von Unwissenheit,
weder Alter und Tod,
noch ein Ende von Alter und Tod,
kein Leiden,
keinen Anfang, kein Ende,
keinen Weg, kein Erkennen,
und auch kein Erreichen,
weil es nichts zu erreichen gibt.
Der Bodhisattva hat Prajna Paramita
und sein Geist ist ihm kein Hindernis,
daher ist er ohne Furcht,
fern von allen Verblendungen,
weil er in Nirvana weilt.
Alle Buddhas
der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
haben Prajna Paramita und erwachen zu
Anuttara Samyak Sambodhi
Wisse daher, dass Prajna Paramita
das große transzendente Mantra ist,
das große strahlende Mantra,
das unübertroffene Mantra,
das unvergleichliche Mantra,
welches alles Leiden beendet.
Dies ist wahr und ohne Falschheit
verkünde das Prajna Paramita Mantra
verkünde das Mantra das lautet:
GATE GATE PARAGATE PARASAMGATE BODHI SOHA
Gegangen, gegangen, darüber hinaus gegangen,
noch weiter darüber hinaus gegangen,
den Zustand des Ur-Buddha erlangt,
So ist es!
Das Mantra der Grünen Tara
OM TARE TUTTARE TURE SOHA
Das Mantra der Weißen Tara
OM TARE TUTTARE TURE MAMA AJU PUNYE JNANA
PUTRIM GURUYE SOHA
Zuflucht und Bodhicitta
Bis zur Erleuchtung nehme ich Zuflucht zum Buddha,
zu seiner Lehre und zur höchsten Gemeinschaft.
Mögen mich zum Wohle aller Lebewesen
die Tugenden von Freigiebigkeit, Ethik, Geduld,
Fleiß, Meditation und Weisheit zur Buddhaschaft führen.
SANG GJÄ TSCHÖ DANG TSOG KJI TSCHOG NAM LA/
DSCHANG TSCHUB BAR DU DAG NI KJAB SU TSCHI/
DAG GI DSCHIN SOG GJI PÄ SÖ NAM KJI/
DRO LA PÄN TSCHIR SANG GJÄ DRUB PAR SHOG//
Die Vier Unermesslichen Gedanken
Mögen alle Wesen Glück und die Ursachen für Glück haben.
Mögen sie vom Leiden und den Ursachen für Leiden frei sein.
Mögen sie nicht von wahrem Glück, welches ohne jegliches Leid ist,
getrennt
sein.
Mögen sie in großem Gleichmut verweilen,
frei von Anhaftung an ihnen Nahes und
Ablehnung von ihnen Fernem
SEM TSCHÄN THAM TSCHÄ DE WA DANG
DE WÄ GJU DANG DÄN PAR GJUR TSCHIG/
DUG NGÄL DANG DUG NGÄL GJI GJU DANG
DRÄL WAR GJUR TSCHIG/
DUG NGÄL ME PÄ DE WA DAM PA DANG
MIN DRÄL WAR GJUR TSCHIG/
NJE RING TSCHAG DANG DRÄL WÄ
TANG NJOM TSCHEN PO LA NÄ PAR GJUR TSCHIG//
Widmung
Mögen aufgrund dieses Verdienstes
die Lebewesen die Allwissenheit erlangen
und alle schädlichen Feinde vernichten,
um dann vom Ozean des Samsara,
der von Geburt, Alter, Krankheit und Tod aufgewühlt ist,
frei zu werden.
In vollkommener Weise widme ich all diesen Verdienst,
damit ich nach dem Vorbild des Helden Manjushri,
der die absolute Wahrheit realisiert hat,
und nach dem Vorbild von Samantabhadra praktiziere.
Mögen durch diese Tugenden alle Lebewesen
Verdienst und Weisheit vollkommen ansammeln,
und mögen sie die beiden vortrefflichen Körper,
die aus Verdienst und Weisheit entstehen, erlangen.
Möge diese Bitte um die Weitergabe des Verdienstes
durch den Segen des Buddha,
der die drei Körper erlangt hat,
durch den Segen des Dharma,
der die unveränderliche Wahrheit ist,
und durch den Segen der Sangha,
der ungespaltenen Gemeinschaft in Erfüllung gehen.
SÖ NAM DI JI THAM TSCHÄ SIG PA NJI/
THOB NÄ NJE PÄ DRA NAM PAM DSCHÄ NÄ/
KJE GA NA TSCHI BA LAB TRUG PA JI/
SI PÄ TSO LÄ DRO WA DRÖL WAR SCHOG/
DSCHAM PÄL PA WO DSCHI TAR KJEN PA DANG/
KÜN TU SANG PO DE JANG DE SCHIN TE/
DE DAG KÜN GJI DSCHE SU DAG LOB TSCHING/
GE WA DI DAG THAM TSCHÄ RAB TU NGO/
GE WA DI JI KJE WO KÜN/ SÖ NAM JE SCHE TSOG DSOG NÄ/
SÖ NAM JE SCHE LÄ DSCHUNG WÄ/ DAM PA KU NJI THOB PAR SCHOG/
SANG GJÄ KU SUM NJE PÄ DSCHIN LAB DANG/
TSCHÖ NJI MI GJUR DEN PÄ DSCHIN LAB DANG/
GEN DÜN MI TSCHE DÜN PÄ DSCHIN LAB KJI/
DSCHI TAR NGO WA MÖN LAM DRUB PAR SCHOG//
Über Bodhicitta
Das mitfühlende Herz des erleuchteten Geistes
Es ist das erhabene Elixier,
Das die Herrschaft des Todes überwindet.
Es ist der unerschöpfliche Schatz,
Der die Armut in der Welt beseitigt.
Es ist die überragende Medizin,
Die alle Krankheiten der Welt kuriert.
Es ist der Baum, der allen Wesen Schutz gewährt,
Die müder sind vom Wandern auf dem Pfad bedingter Existenz.
Es ist die große Brücke,
Die zur Freiheit von Wiedergeburten in niederen Bereichen führt.
Es ist der aufgehende Mond des Geistes,
Der die Qualen verwirrender Konzepte auflöst.
Es ist die mächtige Sonne, die schließlich
Die Nebel der Verblendung in der Welt vertreibt.
SHANTIDEVA
Gebannt von der schieren Vielfalt der
Erscheinungen,
die den trügerischen Spiegelungen des Mondes im Wasser gleichen,
irren die Wesen endlos umher im Teufelskreis von Samsara.
Damit sie Geborgenheit und Gelassenheit im Licht und allumfassenden Raum
der
wahren Natur ihres Geistes finden,
erwecke ich die unermessliche Liebe, das unermessliche Mitgefühl,
die
unermessliche Freude und den unermesslichen Gleichmut des Erwachten Geistes,
das Herz von Bodhicitta.
Das Bodhisattva- Gelübde
So wie die Erde und andere Elemente, zusammen mit dem Raum,
den zahllosen
fühlenden Wesen immerdar auf vielfältige Weise Nahrung geben,
so möge ich in
jeder Hinsicht für die fühlenden Wesen zur Nahrung werden,
bis an die Grenzen
des Raumes und bis alle Nirwana verwirklicht haben.
So wie die Sugatas von alters her Bodhicitta hervorgebracht und sich
schrittweise
in der Schulung eines Bodhisattva verwurzelt haben,
so möge auch ich zum Wohle aller Wesen Bodhicitta hervorbringen
und mich
schrittweise in dieser Disziplin schulen.
Mit dem Wunsch, sämtliche Wesen zu befreien,
werde ich bis zum Erreichen der vollständigen Erleuchtung stets zum Buddha,
zum
Dharma und zum Sangha Zuflucht nehmen.
Beflügelt von Weisheit und Mitgefühl, bringe ich heute, in Gegenwart der
Buddhas,
die Gesinnung hervor, zum Wohle aller empfindenden Wesen vollkommen zu
erwachen. Solange der unermessliche Raum Bestand hat und solange es noch
empfindende Wesen gibt, möge auch ich ausharren, um das Leid aus der Welt zu
verbannen.
Langlebensgebet für S. H. Dalai Lama
gang ri ra wä kor wä sching kam sog
pän dang de wa ma lü dschung wä nä
tschän rä sig wang ten dsin gya tso yi
schab pä si tä bar du ten gyur tschig
In dem Land des Schnees und anderswo
bist Du der Ursprung von allem Nutzen und Glück.
Tenzin Gyatso, Meister Avalokiteshvara,
mögest Du dauerhaft verweilen, bis zum Ende des Samsara!
Der melodische Gesang, der Unsterblichkeit
verleiht
verfasst von Kjabdsche Ling Rinpotsche
und Kjabdsche Tridschang Rinpotsche, den Tutoren S. H. Dalai Lama, aus dem
Tibetischen übersetzt von Jürgen Manshardt
Ein Gebet zur Anrufung des ozeangleichen Mitgefühls der Drei Höchsten [Juwelen],
damit das Kronjuwel von Samsara und Nirvana, Seine Heiligkeit der Dalai Lama,
der Herr der Sieger, der große Allwissende und der alles Erblickende, lange als
Beschützer der Wesen und der Lehre verweilen möge und seine machtvollen
Zielsetzungen spontan erfüllt werden.
Versammlung der gütigen direkten Meister und der Meister der Überlieferung;
ihr
seid die vollständigen drei Geheimnisse der unzähligen Sieger,
die im Tanz von
magischen Formen den zu Bezähmenden in jeder angemessenen Weise erscheinen; wunsch-erfüllendes Juwel, Quelle des Heilsamen und der Vortrefflichkeiten
im
Samsara und Nirvana.
Zu euch beten wir inständig und flehentlich:
Gewährt eure Segenskraft, damit der
Beschützer des Schneelandes,
Tenzin Gyatso, ohne dass sein Leben verlischt,
hundert Zeitalter fest verweilen möge
und seine Zielsetzungen spontan erfüllt
werden.
All ihr Scharen von Gottheiten und Yidams, ihr seid die Weisheit der großen
Glückseligkeit, die frei von den Partikeln der dualen Erscheinung in die Weiten
des Himmels der Dharma-Sphäre versenkt ist. Ihr erscheint als illusionäre Wolken
der unzähligen stützenden und gestützten Mandalas.
Zu euch beten wir inständig und flehentlich: Gewährt eure Segenskraft, damit der
Beschützer des Schneelandes, Tenzin Gyatso, ohne dass sein Leben verlischt,
hundert Zeitalter fest verweilen möge und seine Zielsetzungen spontan erfüllt
werden.
All ihr unzähligen Sieger der drei Zeiten, Götter der Götter, im Besitz der zehn
Kräfte.
Als Erscheinung der Heilsaktivität der spontanen und vollendeten
Qualitäten des Aufgegebenhabens und der Verwirklichungen offenbart ihr euch
unaufhörlich
im Ozean der Bereiche zum Nutzen der Lebewesen.
Zu euch beten wir inständig und flehentlich: Gewährt eure Segenskraft, damit der
Beschützer des Schneelandes, Tenzin Gyatso, ohne dass sein Leben verlischt,
hundert Zeitalter fest verweilen möge und seine Zielsetzungen spontan erfüllt
werden.
Sammlungen der Edlen Lehre der drei Fahrzeuge, Glanz des Heilsamen, vollständig
gut, unerschütterlich und unbefleckt, Juwelenschatz, der aus den drei Welten
gewiss befreit und vollkommene Reinigung und höchsten Frieden gewährt.
Zu euch beten wir inständig und flehentlich: Gewährt eure Segenskraft, damit der
Beschützer des Schneelandes, Tenzin Gyatso, ohne dass sein Leben verlischt,
hundert Zeitalter fest verweilen möge und seine Zielsetzungen spontan erfüllt
werden.
Vollständige Gemeinschaft der Heiligen, ihr Wissenden und Befreiten,
ihr bewegt
euch nicht aus der Vajra-Stadt der völligen Befreiung heraus,
ihr seid versehen
mit höherer Weisheit, welche die endgültige Wahrheit
mit unmittelbarer
Erkenntnis erfasst und mit großer Unerschrockenheit
das Räderwerk des Samsara
zerstört.
Zu euch beten wir inständig und flehentlich: Gewährt eure Segenskraft, damit der
Beschützer des Schneelandes, Tenzin Gyatso, ohne dass sein Leben verlischt,
hundert Zeitalter fest verweilen möge und seine Zielsetzungen spontan erfüllt
werden.
Versammlung von Helden und Dakinis der drei Orte, ihr helft den Yogis,
den edlen
Pfad zu verwirklichen, indem ihr im Paradies von Vajrayogini,
auf den acht
großen Friedhöfen und den 24 Orten euer hundertfaches Erfreuen
an der Erfahrung
von Glückseligkeit und Leerheit spielerisch zur Schau stellt.
Zu euch beten wir inständig und flehentlich: Gewährt eure Segenskraft, damit der
Beschützer des Schneelandes, Tenzin Gyatso, ohne dass sein Leben verlischt,
hundert Zeitalter fest verweilen möge und seine Zielsetzungen spontan erfüllt
werden.
Ozean der Dharma-Beschützer, versehen mit dem Auge der höheren Weisheit;
da Vajradhara den unzertrennbaren Siegel-Knoten des Gelöbnisses auf eure Haarlocken
gesetzt hat, besitzt ihr die Kraft und Umsicht, um die Lehre und die Halter der
Lehre
zu beschützen.
Zu euch beten wir inständig und flehentlich: Gewährt eure Segenskraft, damit der
Beschützer des Schneelandes, Tenzin Gyatso, ohne dass sein Leben verlischt,
hundert Zeitalter fest verweilen möge und seine Zielsetzungen spontan erfüllt
werden.
Durch die Kraft solcher von Herzen kommenden, intensiven und respektvollen
Bitten an die höchsten untrügerischen Zufluchten: Erhabener Ngawang Lobsang
Tenzin Gyatso - einziger Beschützer meiner selbst und der anderen Wesen im
Schneeland,
die wir von den nicht endenden Schmerzen der Zeit des Niederganges
heftig geplagt werden - mögest du beständig und unerschütterlich auf dem Thron
der völlig unzerstörbaren Vajra-Essenz für Ozeane von Zeitaltern fest verweilen,
ohne dass deine drei Geheimnisse vergehen, abnehmen oder sich wandeln.
Du bist versehen mit der Essenz der Juwelen und nützt allen durch die große
Kraft
deiner Heilsaktivität. Auf den Schultern deiner mitfühlenden Geisteskraft
trägst du die Last der Taten all der unendlich vielen Sieger. Möge alles
entsprechend deiner Wünsche verwirklicht werden.
Möge das Himmelstor des glücklichen Zeitalters der Vollkommenheit durch diese
Kraft geöffnet werden und die Wesen beständig Befreiung im heilenden Frühling
finden.
Mögen sich die Glückssymbole auf den Gipfeln von Samsara und Nirvana vermehren,
und möge sich die Lehre des Überwinders zu allen Zeiten und an allen Orten weit
verbreiten.
Padmapani! Möge der Nektarstrom deines Segens beständig als Geisteskraft in mir
und anderen heranreifen. Mögen wir den Ozean der erhabensten Schulungen des
All-Guten vollenden, indem wir dich durch Opfergaben höchst erfreuen, die
entsprechend den Anweisungen erworben wurden.
Durch die Segenskraft der Sieger und ihrer wundersamen Söhne,
durch die Wahrheit
des unfehlbaren abhängigen Entstehens
und durch die Kraft meiner reinen
außergewöhnlichen Geisteshaltung
mögen alle Zielsetzungen dieses Gebetes schnell
und ohne Mühen verwirklicht werden.
(Nach einem mündlichen Kommentar des Ehrwürdigen Gesche Thubten Ngawang)
Bodhicitta ist das
höchste buddhistische Ideal der Geisteszustände, denn:
" Allein schon ein Wort über den Erleuchtungsgeist zu vernehmen,
ist höchst
bedeutungsvoll, und dies ist wahrhaftig so, denn:
Es gibt keinen heilsameren Geisteszustand als den des Bodhicitta.
Es gibt keinen mächtigeren Geisteszustand als den des Bodhicitta.
Es gibt keinen glücklicheren Geisteszustand als den des Bodhicitta."
(Der 14. Dalai Lama, Der Schlüssel zum mittleren Weg.)
Der Aspekt des
Bodhicitta ist nicht nur altruistischer Natur, denn:
"Dieser wunderbare Geist ist der unübertroffene Weg zur Ansammlung
von
Verdiensten oder heilsamen Potentialen. Es gibt kein besseres Mittel
zur
Beseitigung von Hindernissen als Bodhicitta, keinen besseren Schutz
vor
Störungen und Beeinträchtigungen.
Der Erleuchtungsgeist ist eine einzigartige
und allumfassenden Methode."
(14. Dalai Lama)
Diese Aussage sollte nicht zu der Annahme verleiten, dass somit Bodhicitta aus
egoistischen Motiven gepflegt werden soll, sondern das dass eigene Wohlergehen
und das des anderen letztendlich nicht getrennt werden können,
dass aber das
bewusste Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse eine besonders starke Methode zur
Minderung eigener schädlicher Geistesverfassungen ist. Solange unser eigenes
Ziel primär das Wohlergehen anderer Lebewesen ist, werden wir wesentlich weniger
von den negativen Aspekten der Anhaftung, Abneigung ect. beeinflusst.
Das Bodhicitta-Ideal
beruht auf folgenden Erkenntnissen:
Wir sind alle keine getrennten Einheiten, sondern alle Wesen sind,
direkt oder
indirekt, miteinander verbunden.
Alle Menschen und alle Wesen haben den Wunsch, glücklich zu sein.
In unserem Bestreben nach Glück fügen wir einander zumeist großes Leid zu.
Ein Grund für diese widersprüchliche Situation ist, dass wir unser Glück auf
Kosten anderer suchen, was dann wiederum irgendwann auf uns selbst zurückfällt
(Karma).
Um selbst glücklich zu werden, sollte man also dafür sorgen, dass andere
Menschen glücklich sind.
Letztendlich führt diese Überlegung dazu, dass man sein eigenes Leben dem Wohl
anderer Menschen widmet.
Man muss allerdings auch in der Lage sein, anderen zu helfen. Es geht nicht
darum,
sich aufzuopfern oder blinden Aktionismus zu zeigen.
Man kann anderen nur wirklich helfen, wenn man sich selbst spirituell entwickelt
sowie Klarheit, Mitgefühl und Zufriedenheit entwickelt.
In letzter Konsequenz übt man also den Dharma zum Wohle aller Menschen.
Somit meditiert man auch nicht primär um etwas für sich selbst zu tun,
sondern
man will Klarheit und Weisheit erlangen, um anderen helfen zu können.
Auf diese Weise zu praktizieren hilft also die Weisheit zu erlangen,
da auf
diese Weise die Illusion des getrennten Selbst überwunden wird.
Gedanken zur Zuflucht
Es gibt drei Arten des Bodhicitta: negative Handlungen aufzugeben,
positive
Taten anzuhäufen und zum Nutzen der anderen zu arbeiten.
Negative Handlungen
aufzugeben kann in 18 Grundgelübden weiter ausgeführt werden, wobei ihrer aller
Essenz in jenes eine zusammengefasst werden kann, keine fühlenden Wesen
aufzugeben.
Ein einzelnes fühlendes Wesen auszuschließen ist schlimmer als jede
andere negative Handlung, deswegen muss man Bemühen daran setzen, dies nicht zu
tun.
Zuflucht und Bodhicitta sind keine Anfängerübung
Zuflucht und Bodhicitta sind keine Vorbereitung oder etwas, das man am Anfang
erledigen muss und dann zurücklassen kann. Normalerweise rezitieren wir am
Beginn unserer Praxis Zeilen der Zuflucht und der Erzeugung von Bodhicitta, aber
man sollte nicht glauben, dass das nur für den Beginn gedacht ist. Diese beiden
sollten Euch immer, während des gesamten Weges begleiten. Man sollte immer
Mitgefühl bewahren,
denn kein einziges fühlendes Wesen auszuschließen und ein
starkes Zufluchtsversprechen bilden die wichtigste Basis für den buddhistischen
Pfad. ‘Ich persönlich werde alle fühlenden Wesen zur Erleuchtung bringen’. Man
sollte versuchen, ein reines Streben, einen aufrichtigen Wunschgedanken dieser
Art zu erzeugen und daran zu arbeiten,
als würde man nach Gold graben.
Aufrichtig heißt in diesem Zusammenhang, man sollte nicht falsch sein. Wenn man
nicht betrunken ist, aber sich so benimmt, als wäre man es, dann ist man nicht
aufrichtig. Man sollte diesen Wunsch aufrichtig hervorbringen.
Wir menschlichen
Wesen sind geizig, so zum Beispiel wenn wir nach Gold graben,
dann denken wir an
nichts anderes als an dieses Gold.
Bei der Erzeugung von Bodhicitta sollte man
genauso einsgerichtet sein, nur darauf konzentriert.
Wenn Ihr kein Verständnis und kein Bemühen für die Zuflucht habt, dann könnt Ihr
nicht einmal Hinayana praktizieren, geschweige denn Mahayana. Wenn Ihr Euch
nicht der Erzeugung von Bodhicitta zuwendet, könnt Ihr nicht Mahayana
praktizieren, geschweige denn Vajrayana. Es ist sehr wichtig, dieses
grundlegende Prinzip zu verstehen. Wenn sich aufrichtiges Bodhicitta in Eurem
Geist gebildet hat, dann werdet Ihr den Pfad eines Bodhisattvas betreten, werdet
immer aufrichtige spirituelle Freunde in Euren zukünftigen Leben treffen, werdet
den Nektar der Dharmabelehrungen erhalten und werdet Erleuchtung, die perfekte
Buddhaschaft, ohne große Verzögerung verwirklichen. Perfekt in diesem
Zusammenhang bedeutet Vervollkommnung im Sinne der kompletten Aufgabe all
dessen, das aufzugeben ist und umfassende Vollendung dessen, was zu vollenden
ist. Buddha’ heißt im Tibetischen sangye’. Sang’ bedeutet erwachen: man erwacht
von allen Befleckungen, allem Leiden. Gye’ bedeutet erblühen: Weisheit öffnet
sich wie die Blüttenblätter einer erblühenden Blume.
Jetzt, da wir die Grundlagen für den Ozean der Handlungen eines Bodhisattvas
gelegt haben, sollten wir Widmungsgebete, wie zum Beispiel das Zangpa Chöpa
Mönlam ‘ sprechen, die zweihundert Gebete, die von Nagarjuna komponiert wurden,
und Lopon Pawos siebenhundert Gebete. Wir sollten sie nicht nur ein- oder
zweimal sprechen, nein, jeden Tag und so konstant wie nur möglich während
unseres ganzen Lebens - zum Nutzen der anderen.
Möge
das kostbare und erhabene Bodhicitta dort entstehen, wo es noch nicht
entstanden ist.
Möge es dort, wo es entstanden ist, nicht abnehmen, sondern immer mehr
anwachsen.
Shantideva

Mögen alle Wesen glücklich sein
Mögen alle Wesen frei sein von Leid
Mögen alle Wesen die wahre Befreiung erfahren, die über alles Leiden hinausgeht
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