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Der Begriff "Dakini"
("Himmelstänzerin") stammt aus dem Tibetischen.
Definition von "Dakini" aus Wikipedia, dem Online-Lexikon:
Eine Dakini (sanks.: "Himmelstänzerin";tibetisch:
Khandro (mKha-gro-ma): "Luft-" oder "Himmelswandlerin") ist ein
tantrisches
Geistwesen des antiken Indiens und Irans, welches nach der Mythologie die
Seelen der Toten in den Himmel bringt. Dieses Wesen existiert weiter als
buddhistische
Figur im
tibetischen
Buddhismus. Die Dakinis sind
weibliche Wesen mit einem sehr wandelbaren, teils auch wildem Temperament,
welche als Inspiration für die spirituelle Praxis agieren. Sie können als
friedliche, zornvolle und gemischt friedlich-zornvolle Gestalten
auftreten. Sie repräsentieren die Ermutigung und Inspiration für den
spirituellen Weg und überprüfen zugleich den spirituellen Fortschritt der
Dharma-Praktizierenden.
Das männliche Pendant bezeichnet man im Sanskrit als Daka, im
Tibetischen Powa.
Aussprache und Bedeutung von Khandro
Normalerweise wird es als 'kandro', in der
tibetischen
Liturgie
hingegen als 'kha'dro' ausgesprochen. Die Silbe 'mKha' bedeutet Himmel,
aber auch Äther oder Raum. Mit dem Raum ist der buddhistische Raum der
Leerheit gemeint. Die zweite Silbe 'gro' bedeutet bewegen oder gehen;
wobei die Bedeutung im buddhistischen Kontext 'gehen mit vollständigem
Verstehen' meint. Die Endungssilbe 'ma' zeigt an, dass es weiblich ist.
Ursprünge
Gemäß einer
Legende brachten in früheren Zeiten die Mitglieder der indischen
Herrscherkaste und der Adelsfamilien ihre Verstorbenen weit in den Norden,
zu einem Dakini-Schrein. Dieser war am Fuße des Himalaya gelegen. Andere
Legenden aus Tibet beziehen sich auf einen Mythos, nachdem die Dakinis
zunächst in weit entfernten und menschenlehren Gebieten erschienen sind.
Es gibt jedoch auch Vermutungen, wonach die Dakinis
und Dakas in früheren Zeiten
Schamaninnen
und Schamanen waren, die sich mit Hilfe von
ekstatischen
Tänzen in Trance versetzten und
auf diese Weise Reisen in andere Welten unternehmen konnten. Auf ihre
während des Tanzens unternommenen Reisen durch den Himmel bzw. in die
himmlischen Sphären, bezieht sich dann möglicherweise auch ihre
Bezeichnung "Himmelstänzer(in)".
Beschreibung
Dakinis sind der Überlieferung zufolge nicht an die
Zeit gebunden, sie sind sowohl körperlos als auch unsterblich, sind
nicht-menschliche Wesen und sie existieren seit dem Anbeginn zusammen mit
der spirituellen Energie. In New Age Glaubenssystemen werden sie oft mit
Engeln gleichgesetzt. Diese Annahme steht jedoch im Widerspruch zum
jüdisch-christlichen Glauben, da die Dakinis im Gegensatz zu Engeln keine
bona fide Diener Gottes sind. Trotzdem könnte man die Engel trotz
der Unterschiede als westliches Äquivalent zu den Dakinis betrachten. Das
Verhalten der Dakinis ist immer offenbarend und mysteriös und sie
reagieren auf den Status der spirituellen Energie der jeweiligen
Individuen. Ihr üblicher Wohnort ist die spirituelle Form der Liebe - das
könnte man auch als eine Erklärung dafür nehmen, warum angenommen wird,
dass Dakinis (und Engel) in
himmlischen
Sphären leben. Dakinis
manifestieren sich auch in menschlicher Form, sie können angeblich in
jeder Form erscheinen.
Im
tibetischen
Buddhismus und anderen Schulen,
die eng mit dem
Yogacara
und dem
Vajrayana
in Bezug stehen, wird eine Dakini als ein übernatürliches Wesen
betrachtet, welches die Fähigkeiten und die Absichten eines
Praktizierenden überprüft. Viele Geschichten über die
Mahasiddhas
in
Tibet
beinhalten Episoden, in denen eine Dakini erscheint, um einen angehenden
Mahasiddha zu prüfen.
Wenn der Test
einer Dakini bestanden wurde, wird der Praktizierende meist als Mahasiddha
anerkannt und steigt in das Paradies der Dakinis auf, einem Ort der Wonne
und der Erleuchtung. Obwohl Dakinis oft nackt und schön dargestellt
werden, sind sie keine eigentlichen sexuellen Symbole, aber doch Symbole
für die Natur und die Wahrheit. Es gibt Fälle, in denen eine Dakini auch
die Kontrolle über das sexuelle Verlangen eines Praktizierenden prüft,
jedoch sind sie selbst frei von jeglichen Leidenschaften.
Tantrische
Vereinigung
Bei
der tantrischen Vereinigung kann eine menschliche Dakini" als
Praxisgefährtin mit einbezogen sein. Sie ist meist im Tantra Yoga geübt
und stellt zugleich auch die Verkörperung einer echten Dakini dar, da bei
diesen Praktiken die spezifisch tantrische reine Sichtweise des
Praktizierenden von großer Bedeutung ist. Die Praxispartner erhöhen durch
die geschlechtliche Vereinigung die Intensität der in den körperlichen
Energiebahnen fließenden Energien. Dakas und Dakinis helfen, sich zur
selben Zeit auf die spirituellen Freudenerfahrungen und zugleich auf
Arbeit mit den durch die Vereinigung erweckten Energien zu konzentrieren.
Sexuelle Freudenerfahrungen werden dabei in den tantrischen Pfad
integriert. Diese Praktiken sind daher immer im Zusammenhang mit dem
tantrischen Übungsweg eines Vajrayana-Praktizierenden zu sehen und sind
kein bloß auf sexuellen Genuss ausgelegter Selbstzweck. Eine Ermächtigung
und mündliche Unterweisungen zu diesen Praktiken durch einen befähigten
tantrischen Meister sind unerlässliche Voraussetzungen, da die Arbeit mit
den durch die tantrische Praxis erweckten körperlichen Energien gefährlich
sein kann.
Die drei Klassen von Dakinis
Nach dem Stand
ihrer spirituellen Entwicklung können drei unterschiedliche Klassen von
Dakinis unterschieden werden:
1. Die
unterste Klasse der Dakinis ist noch nicht erleuchtet und ist
Menschen gegenüber entweder feindlich oder freundlich gesinnt.
2. Die
mittlere Klasse der Dakinis ist mit 24 heiligen Orten in Indien und
Tibet verknüpft und kann nur von spirituell entwickelten Menschen
wahrgenommen werden. Die 24 Orte stehen auch in Beziehung zu Aspekten des
feinstofflichen Körpers und werden in bestimmten tantrischen Meditationen
visualisiert.
3. Die
höchste Klasse der Dakinis sind spontan
erleuchtete
Wesen und Ausstrahlungen des
Dharmakayas.
Die Dakini im inneren Erleben
Man kann die Dakinis nicht nur als mythologische
Wesen, sondern auch als Symbole für die inneren, psychologische Prozesse
des Einzelnen verstehen. Somit symbolisieren sie alle Inspirationen, die
anregen, auf dem Weg des Buddha-Dharma
weiter voranzuschreiten. Diese sind nicht immer nur wohlwollend, sie
können auch plötzlich und in beängstigender Weise das jeweilige Weltbild
auf den Kopf stellen und die begrenzenden Fesseln und Mauern zerschlagen.
Wie diese "Befreiungsschläge" dann empfunden werden, hängt von der
jeweiligen Bereitschaft ab, sie anzunehmen und zu integrieren. Da die
Dakinis frei von jeglicher Konvention sind, scheuen sie sich nicht, auch
die ungewöhnlichsten Wege zu beschreiten, um aufzurütteln und zu helfen.
Gewisse tantrische Meditationen (Sadhanas)
verbinden durch Visualisation die Praktizierenden mit den inspirierenden
Energien der jeweiligen Dakini.
Die Dakini im äußeren Erleben
Um eine Dakini
zu erleben, muss nicht nach der Erscheinung dieser übersinnlichen Wesen
gesucht werden. Es kann auch einfach bedeuten, einen Menschen gleich
welchen Geschlechts zu finden, der uns im Alltag wie eine Dakini auf
unserem spirituellen Weg unterstützt und uns führt.
Bekannte Dakinis
Sambhogakaya-Dakinis
-
Vajrayogini
- (tib.: Dorje Khandro), diese ursprünglich in der
Sakya-Schule,
später auch in anderen Schulen des tibetischen Buddhismus verehrte
Dakini wird in ihrer bekanntesten Form mit roter Hautfarbe dargestellt,
als Attribute trägt sie ein Vajra-Hackmesser sowie eine blutgefüllte
Schädelschale. Auf dem Kopf trägt sie eine Schädelkrone und hält einen
mit einem
Vajra
gekrönten Kathvanga.
-
Vajravarahi
- (tib.: Dorje Phagmo), eine besondere Form der
der Vajrayogini, die in der
Kagyü-Schule
von Bedeutung ist, wird meist wie Vajrayogini mit roter Hautfarbe und
gleichen Attributen dargestellt. Sie trägt aber, auf ihrer mit Schädeln
geschmückten Krone als ein Symbol für die Überwindung der Verblendung
den Kopf einer Sau. Somit steht sie für die alles überwindene Weisheit.
-
Simhamukha
- (sanskrit: Löwengesicht) , (tib.;sen-ge’i gdong ma) Die
Dakini-Erscheinungsform des
Padmasambhava,
ausgestattet mit einem Löwenkopf hat große Bedeutung in der
Terma-Tradition
der
Nyingma-Schule.
-
Troma Nakmo
- die schwarze Dakini hat in der
Chöd-Tradition
ausgehend von Machik Labdrön große Bedeutung.
-
Salgye Du Dalma
- (tib.: Die jenseits des konzeptuellen Denkens
wirkt) - diese aus dem Muttertantra des tibetischen
Bön
stammende Dakini wird mit weißer Hautfarbe, Haumesser, Schädelschale und
Kathvanga haltend dargestellt. Sie hat große Bedeutung als Hüterin des
Schlafes während der Übungen zu sogenanntem Schlaf- und
Traumyoga.
Die folgenden fünf Dakinis bilden eine besondere
Gruppe im Rahmen des tibetischen Buddhismus und stehen mit den fünf
ursprünglichen Weisheiten in Verbindung, die meist durch die fünf
transzendenten Buddhas (Adibuddhas)
dargestellt werden. Sie erscheinen in der Ikonographie oft in einem
Mandala.
Ihnen werden jeweils besondere Fähigkeiten zugesprochen.
-
Buddha-Dakini
- bläuliche Hautfarbe. Sie verleiht Langlebigkeit und ermöglicht die
Wiedergeburt im Dakini-Paradies.
-
Vajra-Dakini
- (Diamantene Dakini) rote Hautfarbe. Sie verhindert den Absturz in die
niederen Daseinsebenen.
-
Ratna-Dakini
- (Juwelen Dakini) goldene Hautfarbe. Sie verleiht weltlichen Wohlstand
und verhindert die Wiedergeburt in der Höllenwelt.
-
Padma-Dakini
- (Lotus Dakini) rosafarbene Haut. Sie kann die Wiedergeburt in niederen
Daseinsebenen verhindern.
-
Karma-Dakini
- strahlend weiße Hautfarbe. Sie verleiht weltlichen Erfolg und
ermöglicht eine Wiedergeburt im menschlichen Daseinsbereich.
Nirmanakaya-Dakinis
-
Prinzessin
Mandarava
von Zahor
war die indische Hauptgefährtin von Padmasambhava. Zusammen
verwirklichten sie die
Siddhi
der Unsterblichkeit.
-
Yeshe Tsogyal
(8./9.Jh.) (tib.
Königin des Sees der Weisheit)- Die tibetische Hauptschülerin von
Padmasambhava, war maßgeblich an der Verbreitung von Padmasambhavas
Terma-Texten in Tibet beteiligt.
-
Niguma
(8./9.Jh.), Gefährtin oder Verwandte
Naropas,
wichtige Meisterin für die Entstehung der
Shangpa-Kagyü-Schule.
-
Machig
Labdrön(11.Jh.)
(tib. Licht von Lab (Provinz)) - Entwickelte die vollkommene
Weisheit durch das erwerbsmäßige Vorlesen von Prajnaparamita-Texten. Sie
entwickelte später eine neue Form des
Chöd,
der Praxis des Abschneidens der Ich-Vorstellung, das weite Verbreitung
fand.
-
Machik Ongyo,
(12.Jh.), diese tantrische Meisterin führte die Übertragungs-Linie von
Rechungpa
weiter.
-
Jomo Menmo,
(13.Jh.) gilt als Inkarnation der Dakini Yeshe Tsogyal.
Nirmanakaya-Dakinis werden aber nicht nur als Verkörperungen historischer
Persönlichkeiten erkannt, auch in der heutigen Zeit leben Meisterinnen,
die als Dakini-Verkörperung gelten, darunter
-
Khandro
Rinpoche,
eine Meisterin der Kagyü-Schule
-
Jetsun
Kushog Chimey Luding Dölkar,
eine Meisterin der Sakya-Schule, die als Verkörperung
Prajnaparamitas,
Taras
und
Vajrayoginis
angesehen wird.
Ikonographie
Ikonographische Entsprechungen neigen dazu, die Dakini als eine junge und
nackte Figur in tanzender Pose darzustellen, oft hält sie dabei eine
Schädelschale gefüllt mit Menstruationsblut oder Lebenselixier in der
einen Hand, während sie ein Messer in der anderen Hand schwingt. Manchmal
trägt sie eine Kette aus menschlichen Schädeln um den Hals, während ein
Dreizack an ihrer Schulter lehnt. Für gewöhnlich ist ihr Haar lang und
struppig und hängt über ihren Rücken. Ihr Gesicht hat einen zornigen
Ausdruck und sie stampft mit den Füßen auf einem am Boden liegenden Körper
herum, was das Bezwingen von Gier, Hass und Verblendung repräsentiert. Mit
dem dritten Auge auf ihrer Stirn ist sie befähigt, höhere Wahrheiten zu
erkennen. Oft lodern als Zeichen ihrer großen Energie Flammen um ihren
Körper. Praktizierende behaupten oft, das Klappern ihres Knochenschmucks
zu hören, wenn die Dakinis ihre ekstatischen Tänze aufführen. Dann
erscheinen diese hemmunglosen weiblichen Wesen, um die völlige Freiheit
von allen Bedingungen zu feiern.
Literaturhinweise
-
Magchig: Gesänge der Weisheit. Garuna
Verlag, Dietikon 1998,
ISBN
3-906139-10-7
-
Miranda Shaw: Erleuchtung durch Ekstase -
Frauen im tantrischen Buddhismus. Krüger Verlag, Frankfurt am Main
1997,
ISBN 3810518786
-
Vessantara: Flammen der Verwandlung. Eine
Einführung in die tantrische Bilderwelt. Do Evolution, Essen 2003,
ISBN
3-929447-17-7
-
Keith Dowman: Sky Dancer - The Secret Life and Songs of the Lady
Yeshe Tsogyel.
Snow Lion Publications, Ithaca N.Y. 1996,
ISBN
1-559-39065-4
-
Tsültrim Allione: Tibets weise Frauen -
Zeugnisse weiblichen Erwachens. Theseus Verlag, Berlin 2001,
ISBN
3-89620-162-X
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